Buy and Hold klingt nach „kaufen und nie wieder anfassen“. Wann Aktien verkaufen trotzdem sinnvoll ist, beantworten die meisten Ratgeber mit allgemeinen Regeln. Ich zeige dir stattdessen sieben echte Verkäufe aus meinem Depot im September 2026, zusammen über 33.000 €, mit den Gründen und mit dem Verlust, der dabei war.
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Mehr InformationenDas Wichtigste in Kürze
- Buy and Hold heißt nicht „nie verkaufen“. Ich prüfe jede Position regelmäßig, ob die Investmentthese noch stimmt.
- Jeder meiner Verkäufe hatte einen von drei Gründen: Die These hielt nicht mehr, die Position war zu groß geworden, oder das Risiko war mir zu hoch.
- Zwei Risiken halte ich gerade für zu groß: die hohen Erwartungen an KI und die gestiegenen Langfristzinsen.
- Das Klumpenrisiko steckt auch im ETF. Im S&P 500 sind IT und Kommunikation zusammen knapp die Hälfte (Stand 16.10.2026).
- Raus aus Tech bin ich nicht, aber deutlich weniger drin als vorher.
Alle Zahlen mit Stand-Datum, Markt-Scope: DACH. Kein Rat, sondern meine eigene Praxis.
Wann Aktien verkaufen: meine drei Prüffragen
Ich verkaufe selten. Im September 2026 habe ich es trotzdem siebenmal getan: Thermo Fisher, The Trade Desk, Uber, Adobe, Salesforce, Alphabet und einen Teil meines S&P-500-ETFs. Zusammen waren das 33.660 €. Warum ich mich von Thermo Fisher und The Trade Desk getrennt habe, steht in meinem Artikel zu den zwei Verkäufen im September. Hier geht es um die anderen fünf.
Buy and Hold bedeutet für mich: Ich kaufe Unternehmen, die ich verstehe und an die ich langfristig glaube. Ich trade nicht kurzfristig. Aber ich prüfe regelmäßig, ob meine Investmentthese noch intakt ist. Dafür stelle ich mir bei jeder Position drei Fragen:
- Stimmt meine Investmentthese noch?
- Ist die Position durch den Kursanstieg zu groß geworden? Dann ist ein Teilverkauf klassisches Rebalancing.
- Hängt die Position an einem der Risiken, die ich gerade für zu groß halte?
Jeder der fünf Verkäufe unten hat einen Hauptgrund aus dieser Liste. Unbekannte Risiken kann ich damit nicht ausschließen, dagegen hilft nur gutes Risikomanagement. Auf bekannte Risiken kann ich aber reagieren, und genau das habe ich getan.
Zwei Risiken, die mir gerade zu groß sind
Ich erwarte keinen unmittelbaren Crash. Was der Markt als Ganzes als Nächstes macht, weiß niemand, auch ich nicht. Zwei Risiken finde ich aktuell aber zu groß, um sie in voller Höhe im Depot zu tragen.
KI-Erwartungen und verflochtene Konzerne
Unternehmen investieren gerade enorme Summen in künstliche Intelligenz. Der Markt preist ein, dass sich diese Investitionen auszahlen. Ob und wann das passiert, wird sich erst zeigen.
Dazu kommt: Die großen Konzerne sind eng miteinander verflochten. Microsoft und Google investieren in KI-Firmen, die wiederum Kunden der Chiphersteller sind. Gerät einer davon in Schieflage, kann das die anderen mit nach unten ziehen. Negative Nachrichten würden dann nicht eine Aktie treffen, sondern einen ganzen Block.
Zinsen: Barwert und Refinanzierung
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen lag zum Zeitpunkt der Videoaufnahme bei über 5,6 %. Aktuell sind es 5,43 % (Stand 15.10.2026, Quelle: FRED, Serie DGS30). Das ist etwas weniger, aber immer noch so hoch wie lange nicht.
Hohe Zinsen treffen Unternehmen auf zwei Wegen:
- Bewertung: Aktien werden über den Barwert künftiger Cashflows bewertet. Steigt der Zins, sinkt dieser Barwert. Bei jungen Wachstumsunternehmen, deren Gewinne großteils in der Zukunft liegen, wirkt das stärker als bei etablierten Firmen.
- Refinanzierung: Viele Finanzierungen laufen über rund zehn Jahre. Was damals günstig aufgenommen wurde, läuft jetzt aus. Ist der Kredit noch nicht getilgt, muss der Rest zu deutlich höheren Zinsen refinanziert werden. Das drückt die Gewinne, bei Unternehmen genauso wie bei Immobilieninvestoren.
Den zweiten Punkt halte ich für den relevanteren.
Fünf Verkäufe im Detail
| Position | Hauptgrund | Umfang | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Uber | Zinsrisiko, Umschichtung | ganz | rund ±0 |
| Adobe | These gebrochen | ganz | knapp 6.000 € Verlust |
| Salesforce | Rally, Softwareanteil senken | teilweise | Position über 10 % im Plus |
| Alphabet | Rebalancing | teilweise | Position deutlich über 100 % im Plus |
| S&P-500-ETF | Klumpenrisiko Tech | teilweise (rund 5.800 €) | Position etwa 30% im Plus |
Kurswerte im Text stammen aus dem Chart, den ich im Video zeige, und gelten zum Zeitpunkt der Aufnahme.
Uber: Umschichtung ohne konkretes Problem
Uber vermittelt als Plattform Angebot und Nachfrage: Fahrdienst, Essenslieferung und eine Frachtsparte. Meine These war das autonome Fahren, auch wenn es dort große Konkurrenz gibt. Gekauft habe ich im Jänner 2025. Kurzfristig lag die Aktie rund 43 % im Plus, seither lief sie aber seitwärts.
Uber war eine kleine Position, die trotzdem ständig Aufmerksamkeit verlangt hat. Als wachstumsstarker, techähnlicher Wert reagiert sie tendenziell stark auf Zinsänderungen. Ein konkretes Problem mit dem Unternehmen sehe ich nicht. Es war eine reine Umschichtung, ausgestiegen bin ich ungefähr bei plus minus null.
Adobe: Wenn die Investmentthese nicht mehr hält
Am selben Tag habe ich Adobe verkauft. Hier ging es nicht um ein Risiko, sondern darum, dass meine These nicht mehr gehalten hat. Es war eines meiner schlechtesten Investments.
Gekauft habe ich erstmals im April 2024. Seitdem hat sich der Kurs fast halbiert, und eine Dividende zahlt Adobe nicht. Der Kurs lag bei der Aufnahme auf einem Niveau wie zuletzt 2018. Dabei ist Adobe kein schlechtes Unternehmen: Der Umsatz wuchs von 2019 bis 2021 um rund 20 % pro Jahr, zuletzt um rund 10 %, die Margen liegen im Bereich von 30 %.
Gekippt ist meine Kernthese: dass Adobe der Standard der Kreativbranche bleibt. Bildgeneratoren in ChatGPT oder Gemini kann heute jeder nutzen, oft kostenlos. Dazu kommen Anbieter wie Canva oder Higgsfield. Ich glaube langfristig nicht mehr an das Geschäftsmodell, also habe ich ganz verkauft. Das hat knapp 6.000 € Verlust gebracht. Auch das gehört zur Transparenz.
Salesforce: Teilverkauf nach der Rally
Salesforce verkauft CRM-Software, also Kundenverwaltung für Vertrieb, Service und Marketing, vor allem an große Unternehmen. Erstmals gekauft habe ich im Juli 2025. Zwischenzeitlich lag die Aktie seither rund 43 % unter diesem Kurs, ich habe mehrmals nachgekauft. Dadurch ist meine Position heute über 10 % im Plus, obwohl der Kurs seit dem ersten Kauf gefallen ist.
Von Juni bis August 2026 stieg die Aktie um rund 70 %. Nach dieser Rally habe ich einen Teil verkauft. Der zweite Grund: Ich wollte den Softwareanteil im Depot insgesamt senken.
Alphabet: Rebalancing bei meiner größten Einzelaktie
Alphabet ist neben meinem ETF meine größte Position. Der Konzern verdient vor allem mit Werbung in der Google-Suche und auf YouTube, dazu kommen das wachsende Cloudgeschäft, Gemini und Waymo im autonomen Fahren.
Mein erster Kauf war im April 2023 bei rund 108 US-Dollar, bei der Aufnahme lag der Kurs bei rund 355 US-Dollar. Das erste Investment hat sich damit mehr als verdreifacht. Vor allem 2024 habe ich nachgekauft, weil ich die Aktie für zu günstig hielt. Insgesamt liegt die Position deutlich über 100 % im Plus.
Der Umsatz wächst auf Quartalsbasis aktuell um über 20 %. Ein schlechtes Unternehmen verkaufe ich also nicht. Die Aktie hat einfach einen zu großen Anteil im Depot eingenommen. Schon im September 2025 habe ich einmal teilverkauft, seitdem ist der Kurs noch einmal um fast 40 % gestiegen. Der Teilverkauf jetzt ist klassisches Rebalancing.
S&P-500-ETF: das Klumpenrisiko, das viele übersehen
Alphabet steckt noch an einer zweiten Stelle in meinem Depot: im S&P-500-ETF. Der iShares Core S&P 500 bildet die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen ab, physisch und thesaurierend, mit einer Gesamtkostenquote von 0,07 % (Stand 16.10.2026).
500 Unternehmen wirken breit gestreut. Der Index ist aber nach Marktwert gewichtet: Je größer das Unternehmen, desto größer sein Gewicht. Deshalb dominieren wenige Konzerne wie Nvidia, Apple, Microsoft und Alphabet. Das hat zwei Folgen:
- Währung: Der ETF ist zu 100 % in US-Dollar investiert.
- Branchen: IT macht 37,77 % aus, Kommunikation mit Alphabet und Meta weitere 9,70 %. Zusammen sind das 47,47 %, also knapp die Hälfte des ETFs (Stand 16.10.2026, Quelle: iShares-Fondsseite).
Verkaufe ich nur Einzelaktien, bleibt das Tech-Risiko über den ETF also bestehen. Mehr dazu, warum breite Streuung mehr ist als viele Positionen, steht in meinem Artikel zum Portfolio diversifizieren. Deshalb habe ich rund 5.800 € aus dem ETF genommen. An den US-Markt glaube ich weiterhin, und der ETF bleibt meine größte Einzelposition.
Was mit den 33.660 € passiert ist
Der Großteil liegt aktuell liquide auf dem Konto. Der Rest ging in defensivere Branchen, grob Konsum des täglichen Bedarfs. Die Nachfrage dort schwankt weniger, die Unternehmen hängen weniger stark am Konjunkturzyklus.
Defensiv heißt aber nicht zinsunempfindlich. Auch Werte wie PepsiCo können bei steigenden Zinsen unter Druck geraten, tendenziell aber weniger als junge Wachstumsunternehmen, deren Cashflows großteils in der Zukunft liegen.
Die Kehrseite der Liquidität: Ich bekomme Zinsen, nominal. Was davon real nach Inflation übrig bleibt, habe ich im Artikel zu Geldentwertung und Realzins durchgerechnet. Und mit diesem Anteil profitiere ich nicht von Kursanstiegen, bin aber auch nicht von Kursverlusten betroffen.
Häufig gestellte Fragen zum Aktienverkauf
Wann sollte man Gewinne aus Aktien mitnehmen?
Ein Plus allein ist für mich kein Verkaufsgrund. Ich verkaufe teilweise, wenn eine Position durch Kursgewinne zu groß im Depot geworden ist, wie bei Alphabet, oder nach einer außergewöhnlichen Rally, wie bei Salesforce. Ich verkaufe auch, wenn mir die Bewertung zu teuer geworden ist, also der Kurs deutlich mehr einpreist, als ich dem Unternehmen zutraue. Ob das für dich passt, hängt von deiner Aufteilung und deinem Anlagehorizont ab.
Soll man im Moment Aktien verkaufen?
Darauf gibt es keine allgemeine Antwort, und ich gebe keine Empfehlung. Ich habe verkauft, weil zwei konkrete Risiken in meinem Depot zu stark gewichtet waren. Wer anders aufgestellt ist, kommt mit denselben drei Prüffragen zu einem anderen Ergebnis.
Wird es 2026 einen Aktiencrash geben?
Das weiß niemand. Ich erwarte keinen unmittelbaren Crash und habe nicht deshalb verkauft. Ich habe auf bekannte Risiken reagiert, gegen unbekannte hilft nur gutes Risikomanagement.
Raus aus Tech? Warum ich investiert bleibe
Wann Aktien verkaufen sinnvoll ist, entscheide ich nicht nach dem Kurs, sondern nach drei Gründen. Sieben Verkäufe in einem Monat, jeder aus einem davon: Die These stimmte nicht mehr, die Position war zu groß, oder das Risiko war mir zu hoch. Raus aus Tech bin ich nicht, aber deutlich weniger drin als vorher. Das Risiko steckte nicht nur in Einzelaktien, sondern auch im ETF, und das ist vermutlich der Punkt, den die wenigsten auf dem Schirm haben. Den Markt timen kann ich nicht, „Time in the market beats timing the market“ gilt für mich weiter. Ob die Verkäufe richtig waren, wird sich erst zeigen.
Warum ich im selben Monat auch Thermo Fisher und The Trade Desk verkauft habe, liest du in meinem Artikel zu den zwei Verkäufen im September.
Hinweise
Dieser Beitrag dient nur zur Information und ist keine Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Empfehlungen und der Betreiber dieser Website haftet nicht für etwaige Verluste, die sich aus Investments ergeben, die aufgrund von Informationen aus diesem Beitrag getätigt werden. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich und auf eigenes Risiko.
Der Beitrag gilt DACH-weit. Alle Kurse, Zinsen und ETF-Gewichte entsprechen dem angegebenen Stand und können sich jederzeit ändern.