Ein Finanzcheck zum Jahresende klingt nach viel Arbeit, ist aber ein Nachmittag mit deinen eigenen Zahlen. Fünf der sechs Schritte, die ich jedes Jahr mit meinem Geld durchgehe, kannst du auch im Jänner noch erledigen. Bei einem ist in Österreich am 31. Dezember Schluss.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDas Wichtigste in Kürze
- Der Verlustausgleich im Depot hat in Österreich eine Frist: Verluste, die bis 31.12. nicht mit Gewinnen verrechnet sind, verfallen. Die anderen fünf Schritte haben bis Jänner Zeit.
- Der Rückblick kommt zuerst. Ohne Einnahmen, Ausgaben und Sparquote eines ganzen Jahres bleibt jedes Ziel geraten.
- Laufende Kosten im Jahresbetrag ansehen und Verträge einmal im Jahr gegen gleichwertige Angebote vergleichen.
- Beim Vermögen zählt Soll gegen Ist: wie viel Cash du hältst, wie viel du halten wolltest und zu welchem Zins es liegt.
- Automatik schlägt Vorsätze: Dauerauftrag für die Sparquote und ein Sparplan, dann kostet dich das Jahr keine Entscheidung mehr.
Markt-Scope: DACH. Der Steuerteil (Schritt 4) ist aus österreichischer Sicht geschrieben, mit Vergleich zu Deutschland. Stand: 03.11.2026.
Schritt 1: Jahresrückblick – Einnahmen, Ausgaben, Sparquote
Jedes Unternehmen blickt zurück, bevor es plant. Dein Haushalt funktioniert genauso, nur ohne eigene Finanzabteilung. Ohne Rückblick bleibt jeder Plan geraten.
Ich schaue mir drei Dinge an: was reinkommt, was rausgeht und was ich davon sparen und investieren konnte. Gespartes und Investiertes führe ich getrennt und nicht als Ausgabe im Haushaltsbuch.
Falls du noch keines hast: Meine kostenlose Haushaltsbuch-Vorlage habe ich genau dafür gebaut.
Rechenbeispiel: Sparquote aus drei Zahlen
Ein fiktives Beispiel für ein Jahr:
| Posten | Betrag pro Jahr |
|---|---|
| Einnahmen | 36.000 € |
| Ausgaben | 28.800 € |
| gespart und investiert | 4.800 € |
| rechnerisch übrig | 2.400 € |
Die Sparquote ist der gesparte Betrag im Verhältnis zu den Einnahmen: 4.800 € von 36.000 € sind 13,3 %. Daran siehst du, wie viel du überhaupt sparen und investieren kannst und ob das zu deinen Zielen passt.
Kontrollrechnung: Sind deine Konten um den Rest gewachsen?
Wenn du jede Ausgabe digital erfasst, kannst du dein Haushaltsbuch gegen deine Konten prüfen. Im Beispiel bleiben 2.400 € übrig. Sind deine Konten am Jahresende nicht um rund diesen Betrag gewachsen, fehlen Ausgaben oder sind falsch erfasst.
Gemeint sind dabei deine Konten ohne das, was du ohnehin aufs Sparkonto oder ins Depot überwiesen hast. Das steckt schon in den 4.800 €.
Hast du bisher kein Haushaltsbuch geführt, starte im Jänner. Wenn du die Zeit hast, hol das vergangene Jahr aus deinen Kontoauszügen nach. Dann planst du das neue Jahr mit echten Zahlen.
Schritt 2: Laufende Kosten – Abos und Verträge prüfen
Laufende Kosten werden selten hinterfragt, weil sie nicht wehtun. Die Gym-Mitgliedschaft, die du kaum nutzt, oder das Streaming-Abo für einen Film alle drei Monate laufen einfach weiter.
Rechne jede dieser Zahlungen auf das Jahr hoch. Ein Abo um 15 € im Monat sind 180 € im Jahr. Der Monatsbetrag schmerzt selten, der Jahresbetrag schon, vor allem wenn du überlegst, was du stattdessen damit machen könntest.
Dann die Verträge: Versicherungen, Internet, Handy. Vergleich einmal im Jahr, was gleichwertige Verträge heute kosten. Der wichtigste Posten ist für mich die Kfz-Versicherung. In Österreich nutze ich dafür durchblicker*, in Deutschland bietet sich CHECK24 an.
Entscheidend ist, dass du die Leistung deines bestehenden Vertrags genau so im Vergleich hinterlegst. Nur dann vergleichst du Äpfel mit Äpfeln und am Ende wirklich nur den Preis.
Schritt 3: Vermögenscheck – wo liegt dein Geld?
Nach den ersten beiden Schritten weißt du, was monatlich rausgeht. Jetzt geht es darum, wo dein Geld liegt und wie viel es ist.
Notgroschen zuerst
Cash hat zwei Risiken. Zu viel davon verliert in der Regel gegen die Inflation, wie ich am Realzins beim Sparbuch durchgerechnet habe. Zu wenig zwingt dich, Aktien oder ETFs im falschen Moment zu verkaufen, wenn unerwartet eine große Rechnung kommt.
Genau dafür gibt es den Notgroschen: Geld, das nicht arbeiten muss, sondern für Notfälle bereitliegt. Wie viel Notgroschen du wirklich brauchst, zeige ich in einem eigenen Artikel.
Soll gegen Ist: deine Cash-Quote
Für den Blick aufs Ganze brauchst du ein Soll: Wie soll dein Vermögen idealerweise verteilt sein, also wie viel Prozent in Cash, in Aktien und in sonstigen Werten? Viele haben gar kein solches Sollbild, und dann fehlt der Maßstab für alles andere.
Ein fiktives Beispiel mit der Cash-Quote:
| Soll | Ist | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Cash-Quote | 10 % | 25 % | +15 Prozentpunkte |
Die 15 Prozentpunkte liegen entweder zu niedrigen Zinsen herum oder sind ein bewusster Puffer. Beides ist in Ordnung, solange es eine bewusste Entscheidung ist. Hältst du umgekehrt 0 % Cash und ist alles investiert, ist dein Risiko vermutlich höher, als du denkst. Dann lohnt es sich, die Aufteilung zu überdenken.
Auch meine Quoten ändern sich laufend, weil sich meine Pläne ändern. Mal halte ich mehr Cash, mal weniger. Warum ich die Cashquote als zweites Risikoinstrument neben der Streuung sehe, beschreibe ich anhand meines eigenen Portfolios.
Zinsen vergleichen
Liegt dein Cash dort, wo es tatsächlich Zinsen bringt? Für den Überblick nutze ich selbst den Sparzinsvergleich von durchblicker*, in Deutschland findest du einen Tagesgeld-Vergleich bei CHECK24.
Halte die angebotenen Zinsen gegen das, was du auf deinem Konto bekommst. Konkrete Zinssätze nenne ich hier bewusst nicht, sie ändern sich zu schnell.
Mein Vorgehen in diesem Schritt: alle Konten und Depots auflisten, die Ist-Quoten ausrechnen und mit der Zielaufteilung vergleichen.
Schritt 4: Verlustausgleich in Österreich – die Frist am 31.12.
Das ist der einzige Schritt, bei dem der Kalender zählt. Ich spreche hier als Österreicher, in Deutschland ist es anders (Vergleich weiter unten).
So funktioniert der KESt-Verlustausgleich
Verkaufst du Aktien oder ETFs mit Gewinn, fallen in Österreich 27,5 % Kapitalertragsteuer (KESt) an (§ 27a Abs. 1 Z 2 EStG). Verluste aus anderen Verkäufen im selben Jahr werden dagegen gerechnet. Bei ein und derselben Bank passiert das automatisch, und zwar über alle deine Depots dort (§ 93 Abs. 6 EStG).
Ein Verlust lässt sich nicht ins nächste Jahr mitnehmen. Was bis 31.12. nicht ausgeglichen ist, verfällt (Bundesfinanzgericht, GZ RV/7105005/2015 vom 30.12.2015). Welcher Tag bei einem Verkauf Ende Dezember genau zählt, der Handelstag oder die Abwicklung, klärst du am besten mit deiner Bank.
Rechenbeispiel: 1.000 € Gewinn, 400 € Verlust
Fiktives Beispiel: Du hast mit einem Investment 1.000 € Gewinn gemacht und mit einem zweiten 400 € Verlust, beide bei derselben Bank und im selben Jahr.
| ohne Verlustausgleich | mit Verlustausgleich | |
|---|---|---|
| steuerpflichtig | 1.000 € | 600 € |
| KESt (27,5 %) | 275 € | 165 € |
Den Verlust hast du trotzdem. Er senkt aber deine Steuer um 110 €. Hast du dieses Jahr schon etwas mit Verlust verkauft, kann es deshalb sinnvoll sein, vor dem Jahresende Gewinne mitzunehmen, statt den Verlust verfallen zu lassen.
Welche Positionen ich selbst dieses Jahr verkauft habe, auch mit Verlust, steht in meinem Artikel Wann Aktien verkaufen: meine Verkäufe als Buy-and-Hold-Investor.
Grenzen: mehrere Banken, Gemeinschaftsdepot, Sparzinsen
- Mehrere Banken: Der automatische Ausgleich gilt nur innerhalb einer Bank. Zwischen Banken geht er nur über die Steuererklärung (Verlustausgleichsoption, § 97 Abs. 2 EStG). Mehr dazu in meinem Artikel, warum der Verlustausgleich nur innerhalb eines Brokers läuft.
- Gemeinschaftsdepot: Depots mit mehreren Inhabern sind vom automatischen Ausgleich ausgenommen, ebenso betriebliche Depots (§ 93 Abs. 6 Z 4 EStG).
- Sparzinsen: Ein Aktien- oder ETF-Verlust gleicht keine Zinsen aus Sparbuch oder Tagesgeld aus (§ 27 Abs. 8 Z 1 EStG).
Deutschland: Verlustvortrag statt Frist
In Deutschland verfallen Verluste aus Kapitalvermögen nicht am Jahresende, sie werden in die Folgejahre vorgetragen. Dafür gilt eine andere Einschränkung: Verluste aus Aktienverkäufen dürfen nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 EStG). Zusätzlich gibt es einen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 € (§ 20 Abs. 9 EStG).
| Österreich | Deutschland | |
|---|---|---|
| Steuer auf Kursgewinne | 27,5 % KESt | 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag |
| Verlust ins nächste Jahr | nein, verfällt am 31.12. | ja, Verlustvortrag |
| Einschränkung | Verluste gleichen keine Sparzinsen aus | Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen |
| Freibetrag | keiner | 1.000 € Sparer-Pauschbetrag |
Quellen: EStG 1988 im RIS (gelesen am 09. und 14.10.2026), EStG Deutschland (Fassung Jahressteuergesetz 2024, gelesen am 30.09. und 09.10.2026), Entscheidung des Bundesfinanzgerichts wie oben.
Schritt 5: Ziele und Budget fürs neue Jahr
Ohne konkrete Zahlen aus dem Rückblick bleiben Ziele Wünsche. Deshalb steht der Rückblick an erster Stelle. Mit deiner Historie legst du viel genauer fest, was du erreichen willst: dein Vermögen um einen festen Betrag erhöhen, ein Budget für Restaurantbesuche oder ein Reisebudget.
Ich rechne jedes Jahresziel auf den Monat herunter. Ein Restaurantbudget von 1.200 € im Jahr sind 100 € im Monat. Einmal im Quartal prüfe ich, ob ich im Plan bin: Nach drei Monaten sollten es im Beispiel rund 300 € sein, nicht 500 €. So merkst du schon während des Jahres, ob du auf Kurs bist, und nicht erst im Dezember.
Schritt 6: System statt Vorsätze
Vorsätze scheitern im Stress, Automatik nicht. Alles, was regelmäßig gleich abläuft, kannst du automatisieren:
- einen Dauerauftrag für deine Sparquote am Monatsersten, der den Sparbetrag auf ein eigenes Konto überweist, bevor du irgendetwas anderes ausgibst,
- einen Sparplan, mit dem du automatisch investierst.
Was einmal eingerichtet ist und von selbst läuft, kostet dich unter dem Jahr keine Entscheidung mehr. Genau das ist der Hebel.
Finanzcheck zum Jahresende: Fünf Schritte haben Zeit, einer nicht
Rückblick, laufende Kosten, Vermögen, Verlustausgleich, Ziele und Automatik: Das ist mein privater Jahresabschluss. Fünf Schritte kannst du auch im Jänner erledigen, den Verlustausgleich in Österreich nur bis 31. Dezember. Ich mache meinen Finanzcheck zum Jahresende trotzdem schon im Dezember, damit ich mit klaren Zahlen ins neue Jahr starte.
Wenn du deine Finanzen von Grund auf ordnen willst, lies, wie ich als Controller meine persönlichen Finanzen organisiere.
Hinweise
Dieser Beitrag dient nur zur Information und ist keine Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Empfehlungen und der Betreiber dieser Website haftet nicht für etwaige Verluste, die sich aus Investments ergeben, die aufgrund von Informationen aus diesem Beitrag getätigt werden. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich und auf eigenes Risiko.
Der Abschnitt zum Verlustausgleich ist keine Steuerberatung. Er beschreibt die Rechtslage nach den genannten Quellen, Stand Oktober 2026. Für deinen Einzelfall frag deine Bank oder deine Steuerberatung.
Markt-Scope: Der Artikel gilt für Österreich und Deutschland. Der Steuerteil ist ausdrücklich aus österreichischer Sicht geschrieben.
* Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Bei einer Kontoeröffnung oder einem Kauf über solch einen Link erhalte ich eine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Wenn du mich als Creator unterstützen möchtest, würde ich mich sehr freuen.