Dein Sparbuch verliert nominal kein Geld, der Kontostand sinkt nie. Die Geldentwertung frisst trotzdem jedes Jahr einen Teil deiner Kaufkraft, weil die Zinsen unter der Inflation liegen. Wie groß dieser Verlust in Österreich und Deutschland gerade ist, lässt sich mit zwei Zahlen ausrechnen: dem Sparzins und der Inflationsrate.
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Mehr InformationenDas Wichtigste in Kürze
- Der durchschnittliche Sparzins liegt bei rund 0,7 % (Österreich 0,69 %, Stand Dezember 2025; Deutschland 0,72 %, Stand Juli 2026). Die Inflation lag im August 2026 bei 3,2 % (Österreich) und 2,9 % (Deutschland).
- Der Realzins ist damit rund −2,4 % (Österreich) und rund −2,1 % (Deutschland), jeweils vor Steuern. Von 10.000 € gehen nach einem Jahr rund 243 € (AT) beziehungsweise 212 € (DE) Kaufkraft verloren.
- Aktuelle Tagesgeld-Angebote bremsen den Verlust. Von den verglichenen Angeboten liegt vor Steuern nur das beste deutsche im Plus, nach Steuern rutscht auch das bei voller Besteuerung leicht ins Minus.
- Vermögen baust du mit Sparbuch und Tagesgeld nicht auf. Sie sind für Geld gedacht, das du kurzfristig brauchst.
Alle Angaben mit Stand, Markt-Scope: DACH, Österreich und Deutschland getrennt ausgewiesen.
Geldentwertung beim Sparbuch: Nominal ist nicht real
Das Sparbuch fühlt sich sicher an, weil die Zahl auf dem Konto nur steigt. Entscheidend ist aber eine andere Frage: Was kannst du dir in einem Jahr noch für dein Geld kaufen?
Ein Beispiel: 1.000 € auf dem Sparbuch werden bei rund 0,7 % Zinsen nominal zu 1.007 €. Steigen die Preise im selben Jahr um 3 %, sind diese 1.007 € nur noch rund 978 € wert. Dein Kontostand wächst, dein Kaufkraftverlust auch.
Darum zählt nicht der Nominalzins, sondern der Realzins. Er zeigt, um wie viel Prozent deine Kaufkraft pro Jahr wächst oder schrumpft, also Zins und Inflation zusammen betrachtet. Ist er negativ, verlierst du real Geld, auch wenn der Kontostand steigt.
Welche Zahlen ich verwende
Beim Sparzins nehme ich nicht das, was Banken heute neu anbieten, sondern den Durchschnitt über alle bestehenden Einlagen. Er zeigt, was bei den meisten Sparern tatsächlich ankommt.
- Österreich: 0,69 % durchschnittliche Verzinsung auf Sparkonten, Stand Dezember 2025 (Oesterreichische Nationalbank, Pressekonferenz vom 20.03.2026). Einen aktuelleren Wert habe ich nicht gefunden. Sparkonten sind dabei nicht nur klassische Sparbücher, sondern eine Näherung.
- Deutschland: 0,72 % auf Einlagen privater Haushalte mit Kündigungsfrist bis drei Monate, Stand Juli 2026 (Deutsche Bundesbank, Zinsstatistik vom 02.09.2026). Das ist das statistische Gegenstück zum klassischen Sparbuch.
Bei der Inflation gilt der Stand August 2026: 3,2 % in Österreich (Statistik Austria) und 2,9 % in Deutschland (Destatis).
Realzins im Rechenbeispiel: Österreich und Deutschland
So rechnest du es Schritt für Schritt nach, am Beispiel von 10.000 € auf dem Sparbuch:
| Österreich | Deutschland | |
|---|---|---|
| Durchschnittlicher Sparzins | 0,69 % (Dez. 2025) | 0,72 % (Juli 2026) |
| Inflationsrate | 3,2 % (Aug. 2026) | 2,9 % (Aug. 2026) |
| 1. Dein Guthaben nach einem Jahr (10.000 € plus Zinsen) | 10.069 € | 10.072 € |
| 2. Dasselbe Guthaben in heutiger Kaufkraft (Guthaben geteilt durch die Preissteigerung, also 10.069 ÷ 1,032 bzw. 10.072 ÷ 1,029) | rund 9.757 € | rund 9.788 € |
| 3. Kaufkraftverlust (10.000 € minus Ergebnis aus Schritt 2) | rund 243 € | rund 212 € |
| Realzins, vor Steuern (Verlust in Prozent) | −2,43 % | −2,12 % |
Als Formel: Realzins = (1 + Zins) ÷ (1 + Inflation) − 1. Für Österreich sind das 1,0069 ÷ 1,032 − 1 = −0,0243, also −2,43 %. Für Deutschland 1,0072 ÷ 1,029 − 1 = −0,0212, also −2,12 %.
Oft liest du die Faustformel „Zins minus Inflation“. Sie ergibt hier −2,51 % (0,69 − 3,2) und −2,18 % (0,72 − 2,9) und liegt damit nah dran, ist aber etwas zu grob: Der Verlust bezieht sich genau genommen auf die höheren Preise von heute, nicht auf die von vor einem Jahr. Im Video oben habe ich mit dieser Näherung gerechnet und deshalb leicht andere Werte genannt (−2,51 % und −2,19 %, in Deutschland damals noch mit 0,71 % Sparzins). In diesem Artikel rechne ich durchgehend mit der genauen Formel.
Ich nenne das gern die unsichtbare Steuer. Du bekommst sie nicht aktiv mit: Wer die Rechnung nie aufstellt, glaubt, das Geld liege sicher und werde mehr. Tatsächlich kannst du dir später weniger dafür leisten.
Was 10.000 € nach fünf Jahren real noch wert sind
Bleiben Zins und Inflation über fünf Jahre auf dem heutigen Niveau, ergibt sich folgendes Bild (Rechenbeispiel, keine Prognose):
- Österreich: nominal 10.349,79 €, real nur noch rund 8.842 € Kaufkraft. Das sind rund 1.158 € Verlust.
- Deutschland: nominal 10.365,22 €, real rund 8.985 € Kaufkraft. Das sind rund 1.015 € Verlust.
Nominal hast du rund 350 € Zinsen bekommen, real trotzdem über 1.000 € verloren.
Vor Steuern gerechnet
Alle Realzinsen in diesem Artikel gelten vor Steuern, nach Steuern fallen sie schlechter aus. In Österreich beträgt die Kapitalertragsteuer auf Zinserträge 25 % (Stand: 12.09.2026, Quelle: finfo.at, Trade Republic FAQ). Wie die Steuer auf Trade Republic abläuft, zeige ich im Artikel Trade Republic Steuern in Österreich.
In Deutschland beträgt die Abgeltungssteuer auf Zinsen 25 % (§ 32d Abs. 1 EStG), dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf diese Steuer (§ 4 SolzG). Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Jahr bei Einzelveranlagung, 2.000 € bei zusammen veranlagten Ehegatten (§ 20 Abs. 9 EStG) bleibt steuerfrei (Stand: 30.09.2026).
Tagesgeld im Vergleich: Wann der Realzins positiv wird
Der Einwand liegt nahe: Der Durchschnitt zeigt den Bestand, nicht das, was Banken heute neu anbieten. Wer jetzt abschließt, bekommt deutlich mehr. Deshalb habe ich dieselbe Rechnung mit aktuellen Angeboten gemacht:
| Angebot (Stand 30.09.2026) | Zins p. a. | Inflation | Realzins, vor Steuern (gleiche Formel) |
|---|---|---|---|
| Trade Republic Österreich, nur Neukunden, bis 50.000 € | 3,0 % | 3,2 % | −0,2 % |
| Trade Republic Deutschland, unbegrenztes Cash | 2,5 % | 2,9 % | −0,4 % |
| Bestes Tagesgeld im CHECK24-Vergleich (DE) | 3,56 % effektiv | 2,9 % | +0,6 % |
In Österreich bietet Trade Republic* aktuell 3 % für Neukunden, gedeckelt auf 50.000 € Cash (Trade-Republic-Zinsseite AT). Das sind rund −0,2 % real. In Deutschland zahlt Trade Republic 2,5 % auf unbegrenztes Cash (Trade-Republic-Zinsseite DE), real also rund −0,4 %.
Nur das beste deutsche Tagesgeld im CHECK24-Vergleich liegt mit 3,56 % effektiv real im Plus, und auch nur vor Steuern. Bei voller Besteuerung mit 25 % (ohne Solidaritätszuschlag und Freibetrag gerechnet) bleiben davon rund 2,67 %, real also rund −0,2 %. Für Österreich bietet die Transparenzplattform der Nationalbank einen Überblick über die aktuell angebotenen Sparzinsen der Banken. Zu den Banken in diesen Vergleichen habe ich keine eigenen Erfahrungen, deshalb nenne ich sie nicht.
Das ändert nichts am Gesamtbild: Tagesgeld bremst bestenfalls den Verlust. Vermögen baust du damit nicht auf. Sinnvoll ist es für kurzfristiges Geld, etwa deinen Notgroschen.
Mehr Cash als der Notgroschen: Wann das sinnvoll sein kann
Ich halte selbst deutlich mehr Cash als einen Notgroschen. Widerspricht das dem bisher Gesagten? Nein, wenn das Geld einen klaren Zweck hat. Das ist meine persönliche Einordnung, kein Richtwert für dich.
- Der Notgroschen selbst. Er deckt Notfälle ab, rechtfertigt aber bei Weitem nicht jeden höheren Betrag.
- Cash als Teil des Portfolios. Wer investiert ist, hält bewusst einen Teil als Reserve, ähnlich wie Fonds eine Cash-Quote führen. In unsicheren Marktphasen erhöhe ich sie, um handlungsfähig zu bleiben. Dieses Geld ist vom Notgroschen getrennt.
- Geplante Anschaffungen in den nächsten ein bis zwei Jahren. Was du kurzfristig brauchst, gehört nicht in Investments. Es ist nie garantiert, dass ein ETF, eine Aktie oder eine Kryptowährung nach einem Jahr im Plus liegt.
Häufig gestellte Fragen zur Geldentwertung
Was heißt Geldentwertung?
Geldentwertung bedeutet, dass die Kaufkraft des Geldes dauerhaft sinkt. Sie tritt bei Inflation auf: Die Preise steigen, und du bekommst für denselben Betrag weniger Waren und Dienstleistungen (Definition laut Bundeszentrale für politische Bildung).
Ist ein Sparbuch heute noch sinnvoll?
Für Geld, das du kurzfristig brauchst, ja, weil es verfügbar bleibt. Als Vermögensaufbau taugt es nicht: Der Durchschnitt liegt bei rund 0,7 %, die Inflation deutlich darüber. Die Nationalbank weist selbst darauf hin, dass sich ein Marktvergleich lohnt, weil sich die Konditionen stark unterscheiden.
Was sind 1.000 Euro in 30 Jahren wert?
Bei konstant 2,9 % Inflation hätten 1.000 € nach 30 Jahren nur noch rund 424 € Kaufkraft, bei 3,2 % rund 389 € (ohne Zinsen gerechnet). Das ist ein Rechenbeispiel, keine Prognose, denn die Inflation schwankt.
Was tun bei Geldentwertung?
Kurzfristiges Geld verzinst du am besten auf einem Tagesgeld mit aktuellem Vergleich. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt kaum um Investments herum, die mit Schwankungen und Verlustrisiko verbunden sind und keine Rendite garantieren. Einen Einstieg findest du in Investieren für Anfänger: 5 Schritte.
Sparbuch, Tagesgeld, Investieren: Wofür welches Geld gedacht ist
Das Sparbuch verliert real, und das deutlich: gut 2 % pro Jahr bei einem Durchschnittszins von 0,7 %. Tagesgeld bremst diesen Verlust, baut aber kein Vermögen auf. Beides hat seinen Platz für kurzfristiges Geld, Notgroschen und geplante Anschaffungen, aber nicht für alles, was du langfristig aufbauen willst.
Wenn du das Investieren selbst lernen möchtest, buche dir ein kostenloses Erstgespräch. Wir schauen dann gemeinsam, ob und wie ich dir helfen kann.
Hinweise
Dieser Beitrag dient nur zur Information und ist keine Anlageberatung. Es handelt sich nicht um Empfehlungen und der Betreiber dieser Website haftet nicht für etwaige Verluste, die sich aus Investments ergeben, die aufgrund von Informationen aus diesem Beitrag getätigt werden. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich und auf eigenes Risiko.
Alle genannten Zahlen und Konditionen entsprechen dem Stand vom 30.09.2026 (Sparzinsen und Inflation mit dem jeweils angegebenen Datenstand) und können sich jederzeit ändern. Bitte prüfe die aktuellen Preisverzeichnisse der Anbieter.
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