Flatex vs. Trade Republic in Österreich: Welcher Broker passt zu dir?

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Flatex vs. Trade Republic: In Österreich war die Sache jahrelang klar — wer ohne Steuerformular investieren wollte, nahm Flatex. Seit April 2025 ist Trade Republic ebenfalls steuereinfach, und seit Juli 2026 hat ein EU-Verbot die Handelswege beider Broker umgebaut. Damit ist praktisch jeder Vergleich, den du zu diesem Thema findest, an mindestens einer Stelle überholt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Steuer gibt es keinen Unterschied mehr. Beide Broker führen die KESt in Österreich automatisch ab.
  • Bei den Ordergebühren ist der Abstand groß. Eine Order über 1.000 € an der Wiener Börse kostet bei Flatex 7,70 €, bei Trade Republic 1,00 €.
  • Sparpläne kosten bei Flatex laufend mit — 1,50 € je ETF-Ausführung außerhalb der Aktionsliste, 1,00 % der Rate bei Aktiensparplänen. Bei Trade Republic sind alle Sparpläne kostenlos.
  • Flatex zahlt 0,00 % auf Cash-Guthaben, Trade Republic aktuell 2,25 % ab dem ersten Euro.
  • Flatex liegt bei Desktop, Datenexport und Mehrfachdepots vorn. Wer am PC arbeitet und selbst auswertet, hat dort mehr Werkzeug.

Alle Angaben mit Stand August 2026, Markt-Scope: Österreich.

Steuereinfach: was sich im April 2025 geändert hat

Steuereinfach heißt, dass dein Broker die Kapitalertragsteuer automatisch einbehält und ans Finanzamt abführt. Du musst dann kein eigenes Formular in der Steuererklärung ausfüllen.

Wichtig dabei: Es gibt in Österreich zwei KESt-Sätze, und fast alle Vergleiche nennen nur einen.

ErtragsartSatzGrundlage
Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten — Spar-, Giro- und Verrechnungskonto25 %§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG
Alle übrigen Kapitalerträge — Kursgewinne, Dividenden, Fondserträge, Anleihezinsen27,5 %§ 27a Abs. 1 Z 2 EStG

(Rechtsstand: § 27a EStG idgF, abgerufen 26.08.2026 über RIS und die Darstellung des BMF.)

Relevant wird der Unterschied bei den Zinsen auf dein Cash-Guthaben — dazu weiter unten mehr. Bei Flatex ist der Punkt gegenstandslos, weil es dort keinen Guthabenzins gibt.

Flatex war das über seine Wiener Niederlassung schon immer. Trade Republic ist es seit 24. April 2025 über die Wiener Zweigniederlassung der Trade Republic Bank GmbH — inklusive laufendem Verlustausgleich.

Für mich war genau das jahrelang das Ausschlusskriterium. Heute ist es keines mehr: In dieser Kategorie ist Gleichstand. Wie die Steuer- und Zinsabwicklung bei Trade Republic im Detail funktioniert, habe ich im Trade Republic Tutorial Schritt für Schritt gezeigt.

Ein Fallstrick, der kaum irgendwo steht: Wer als Österreicher sein Flatex-Depot über die deutsche Seite flatex.de eröffnet, bekommt kein steuereinfaches Depot. Die Eröffnung muss über flatex.at laufen.

Was eine Order wirklich kostet

Hier trennt sich das Feld. Und zwar deutlicher, als die üblichen Vergleichstabellen zeigen — weil die meisten nur die Orderprovision nennen.

Bei Flatex sind die 5,90 € nämlich nur der erste Teil. Die Börsengebühr kommt obendrauf. Das Preis- und Leistungsverzeichnis sagt das ausdrücklich: Fremdspesen und länderspezifische Fremdkosten werden weitergereicht und sind in der Höhe variabel.

Rechenbeispiel: eine Order über 1.000 € an der Wiener Börse

KostenAnteil an der Order
Flatex (5,90 € Provision + 1,80 € Börse Wien)7,70 €0,77 %
Trade Republic (Bestpreis)1,00 €0,10 %
Trade Republic (Direktpreis, Börse selbst gewählt)2,00 €0,20 %

Wie hoch der Aufschlag bei Flatex ausfällt, hängt am Handelsplatz: Tradegate ab 0,85 €, Wien ab 1,80 €, Xetra ab 1,98 €, Frankfurt ab 11,32 €. Eine Order über Frankfurt kostet dich damit 17,22 € statt 5,90 €.

Bei zwölf Einzelkäufen im Jahr landest du bei Flatex bei rund 92 €, bei Trade Republic bei 12 €. Das sind 80 € Unterschied pro Jahr, und er wächst mit jeder zusätzlichen Order.

Die Flatex-Provision ist gestaffelt: bis 3.500 € Ordervolumen 5,90 €, bis 12.500 € dann 9,90 €, darüber 19,90 €. Für die USA und Kanada gelten 15,90 € pro Order. (Quelle: Preis- und Leistungsverzeichnis flatexDEGIRO Bank SE, Niederlassung Österreich, Stand 06.02.2026.)

Was du beim Wechsel wissen solltest: Ein Depotübertrag heraus aus Flatex kostet 15,90 € pro Position. Bei zehn Positionen sind das 159 €. Eingehende Überträge sind kostenfrei.

Handelsplätze: was das PFOF-Verbot verändert hat

Seit 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow EU-weit verboten. Das heißt, Broker dürfen keine Rückvergütungen von Handelsplätzen mehr annehmen. Für Trade Republic war das eine tragende Erlösquelle — und der Grund, warum praktisch alle Orders über die LS Exchange von Lang & Schwarz liefen.

Genau daran hing der häufigste Kritikpunkt am Broker: Du hattest keine Wahl beim Handelsplatz. Der ist seit Juli 2026 erledigt.

Trade Republic hat jetzt zwei Modi:

  • Bestpreis für 1,00 €: Ein Algorithmus vergleicht die relevanten Referenzbörsen in Echtzeit und führt zum besten verfügbaren Preis aus.
  • Direktpreis für 2,00 €: Du wählst die Börse selbst aus rund 30 Handelsplätzen.

Beides gilt nur für Aktien und ETFs. Anleihen, Derivate und Krypto laufen weiter über feste Wege.

Bei Flatex wählst du den Handelsplatz wie bisher selbst — es gibt keine automatische Bestpreis-Ermittlung. Deine Wahl entscheidet direkt über die Kosten, und die Spanne ist mit 0,74 € bis 11,32 € Fremdspesen erheblich.

Sparpläne: hier zahlst du bei Flatex dauerhaft mit

FlatexTrade Republic
ETF-Sparpläne ohne Orderprovisionaktuell über 700 ausgewählterund 2.400, alle
Übrige ETF- und Fondssparpläne1,50 € je Ausführung0,00 €
Aktiensparplan1,00 % der Rate je Ausführung0,00 €
Mindestsparrate25,00 €1,00 €

Zwei Punkte, die in Vergleichen oft untergehen:

Der Aktiensparplan. 1,00 % der Rate klingt klein, ist aber ein laufender Prozentsatz: Bei 200 € Sparrate zahlst du 2 € im Monat, bei 500 € sind es 5 € — und zwar pro Ausführung und pro Position. Wer Einzelaktien bespart, zahlt bei Flatex jeden Monat mit.

Die Mindestsparrate. 25 € pro ETF und Monat heißt: Vier Positionen kosten dich mindestens 100 € monatlich. Bei Trade Republic liegt das Minimum bei 1 € — dieselben vier Positionen sind dort ab 4 € möglich. Wer mit kleinem Budget breit streuen will, kann das bei Flatex schlicht nicht.

Wichtig zur Einordnung: Die über 700 kostenlosen Flatex-Sparpläne sind eine Aktionskondition, keine Regel aus dem Preisverzeichnis. Sie können sich ändern.

Zinsen, Girokonto — und der Fall ins Minus

Das war für mich der Grund, überhaupt ein zweites Depot zu eröffnen.

Trade Republic zahlt aktuell 2,25 % p.a. auf dein Cash-Guthaben, ab dem ersten Euro und ohne Obergrenze. Der Satz orientiert sich am EZB-Einlagenzins, steigt und fällt also mit ihm. Berechnet wird täglich, gutgeschrieben monatlich.

Für Neukunden in Österreich läuft aktuell eine Aktion mit 3 % p.a. auf Guthaben bis 50.000 €, die in der App aktiviert werden muss. (Stand 26.08.2026, Quelle: traderepublic.com/de-at/zinsen. Aktionskonditionen ändern sich — prüfe die Seite, bevor du dich darauf verlässt.) Dazu kommt ein vollwertiges Konto mit IBAN und Visa Debit sowie Saveback: 1 % auf Kartenzahlungen, maximal 15 € im Monat, wird automatisch investiert und setzt einen laufenden Sparplan ab 50 € voraus.

Zur Steuer auf diese Zinsen: In meinem eigenen Trade-Republic-Steuerreport wurden auf die Zinserträge 25 % KESt einbehalten — also der Satz für Geldeinlagen, nicht die 27,5 %, die viele Vergleichsportale pauschal nennen. Ich habe das nicht für jeden einzelnen Monat nachgeprüft, und je nachdem, wie ein Broker das Cash hält, kann der Satz abweichen. Schau in deinen eigenen Report, dort steht es schwarz auf weiß.

Bei Flatex liegt der Guthabenzins bei 0,00 % p.a. Das steht wörtlich im Preis- und Leistungsverzeichnis. Ein Girokonto und eine Karte gibt es nicht, nur ein Verrechnungskonto.

Praktisch heißt das: Bei Trade Republic kann ich Cash liegen lassen, ohne dass es mich etwas kostet — und bin bei Marktschwankungen schnell handlungsfähig. Bei Flatex ist liegendes Cash totes Kapital.

Ein Detail, das teuer werden kann: Rutscht dein Flatex-Verrechnungskonto ins Minus — etwa weil ein Sparplan eingezogen wird —, zahlst du 6,25 % p.a. innerhalb der bewilligten Kreditlinie und 9,50 % p.a. bei geduldeter Überziehung.

Wo Flatex klar vorne liegt

Es wäre zu einfach, das Ganze auf Gebühren zu reduzieren. Drei Punkte sprechen für Flatex:

  • Die Desktop-Umgebung. Flatex bietet am Rechner denselben Funktionsumfang wie in der App. Trade Republic hat seit Juli 2026 ein Web-Terminal nachgeliefert — getestet habe ich es noch nicht.
  • Der Datenexport. Trade Republic hat CSV-Exporte für die eigenen Transaktionen nachgezogen. Bei Flatex kannst du zusätzlich den Depotbestand exportieren. Wer sein Portfolio in Excel auswertet, merkt den Unterschied.
  • Mehrere Depots. Bis zu fünf Depots samt Verrechnungskonten, ohne Zusatzkosten. Bei Trade Republic hast du genau eines. Klingt nach Nischenfunktion, ist aber praktisch, sobald du getrennte Strategien fahren willst.

Beim Thema Sicherheit sind beide gleichwertig: 100.000 € Einlagensicherung auf das Cash-Guthaben, Wertpapiere als Sondervermögen außerhalb der Insolvenzmasse, dazu die Anlegerentschädigung bis 20.000 €.

Beim Kundenservice hat Flatex den etablierten Support über Telefon und Web. Trade Republic hat nachgebessert und ist rund um die Uhr über die App erreichbar. Einen eigenen Servicefall hatte ich bei keinem der beiden.

Flatex vs. Trade Republic: für wen passt welcher Broker?

Trade Republic* passt zu dir, wenn du Gebühren minimieren willst, mit kleineren Sparraten arbeitest, deine ETF- und Aktiensparpläne kostenlos ausführen lassen möchtest und die Verzinsung samt Bezahlkarte mitnehmen willst.

Flatex* passt zu dir, wenn du eine breite Börsenauswahl brauchst, am Desktop arbeitest, deine Daten selbst nach Excel ziehst oder deine Investments auf mehrere Depots aufteilen willst.

Warum ich beide nutze — und was das steuerlich kostet

Ich habe mit Flatex begonnen und Trade Republic später dazugenommen, damals noch bevor es dort steuereinfach war. Der Grund waren die Dividendengebühren bei Flatex und die Verzinsung.

Heute halte ich beide aus drei Gründen: Ausfallsicherheit, wenn ein Anbieter technische Probleme hat. Die Anlegerentschädigung von 20.000 €, die pro Institut gilt und nicht pro Person. Und die Möglichkeit, zwei Strategien sauber getrennt zu führen.

Ein Nachteil gehört dazu, und der ist konkret: Der automatische Verlustausgleich funktioniert nur innerhalb eines Brokers. Realisierst du 1.000 € Verlust bei Flatex und 1.000 € Gewinn bei Trade Republic, zahlst du auf den Gewinn zunächst die volle KESt. Bei einem einzigen Broker wären beide gegeneinander verrechnet worden. Zurückholen kannst du das nur über die Einkommensteuererklärung.

Was ich dir mitgeben würde

Beide Broker sind in Österreich eine solide Wahl, und seit dem Wegfall des Steuerarguments gibt es keine falsche Entscheidung mehr. Die Frage ist nur, welcher Kostenblock bei dir tatsächlich anfällt: Wer monatlich kleine Beträge bespart, spürt die Sparplangebühren. Wer selten und groß kauft, spürt sie kaum.

Bevor du dich mit Ordergebühren beschäftigst, solltest du allerdings wissen, wie viel du überhaupt monatlich investieren kannst. Wer das nicht sauber hat, optimiert an der falschen Stelle — die Reihenfolge davor habe ich in Investieren für Anfänger: 5 Schritte, bevor du dein erstes Geld anlegst beschrieben.

Und wenn du wissen willst, wohin das über Jahre führt: In meinem Artikel zu den ersten 100.000 € zeige ich meinen eigenen Sparplan – vom Studienabschluss bis zur ersten großen Schwelle in drei Jahren.

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Hinweise

Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und dient ausschließlich der Information. Ich teile hier meine eigenen Erfahrungen und Learnings. Jede Anlageentscheidung triffst du selbst.

Alle Konditionen mit Stand August 2026 und ausschließlich für Österreich. Gebühren und Zinssätze ändern sich laufend — prüfe die aktuellen Angaben vor einer Kontoeröffnung beim jeweiligen Anbieter.

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